Marion Romana Glettner

 

  

 

ISBN: 978-3844807431

12,50 Euro

 

In diesem Buch erzähle ich die Geschichte der Austauschschülerin Karem Lòpez-Videla aus  Bolivien, die ein Jahr (1998-1999) in meiner Familie lebt hat sowie meine Abenteuerreise nach   Südamerika.

In dieser Veröffentlichung werden auf humorige Weise der Schüleraustausch, Integration und Völkerverständigung thematisiert, sowie meine guten Erfahrungen mit der Austauschschülerin vorgestellt.

            

 Leseprobe

Der Lärm der Maschine klang ab und die Türen öffneten sich. Im ganzen Flugzeug hörte man das Klicken des Sicherheitsgürtels und das Murmeln der Fluggäste. Gepäckstücke wurden aus den Fächern über den Sitzen gerissen, während viele Passagiere bereits vor der Tür und auf dem Gang Schlange standen. Meine Tochter und ich standen mit unseren neuen Bekannten, die wir bereits auf dem Hinflug kennengelernt hatten, fast am Ende, froh nach solch einem langen Flug endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ich war sehr müde und freute mich nur noch auf mein Bett. Immerhin waren wir seit zwölf Stunden unterwegs.

Wir kamen mit dem Flug AR 1150 aus Argentinien an und gingen nun alle gemeinsam in den Aufenthaltsraum des Madrider Flughafens. An der Anzeigetafel suchten wir unseren Anschlussflug nach Frankfurt am Main heraus. Vor der Tafel drängten sich die Urlauber. Es war ein riesiger Tumult. Bis zum Weiterflug hatten wir zwölf Stunden Zeit und sahen uns in der Flughalle um. Dort gab es viele Einkaufsshops und Restaurants. In der Mitte und an den Seiten der Halle waren Sitzmöglichkeiten aufgestellt. Wir suchten uns ein Platz am Fenster, stellten unser Handgepäck ab und setzten uns. Inzwischen war es fast acht Uhr morgens. Die Sonne ging gerade auf und wir beobachteten die Flugzeuge, die schillernd in Richtung Sonne flogen.

 
Nun sitze ich hier, schließe die Augen und denke zurück, wie damals alles begann. Es war an einem schönen Samstagvormittag im Juni des Jahres 1998. Die Sonne schien und die Vögel sangen in den Bäumen vor unserem Fenster. Gerade saßen wir gemütlich am Frühstückstisch und genossen Kaffee, Frühstückseier und frische knusprige Brötchen, als die Tageszeitung erschien. Wir schlugen sie auf und auf einer Seite fiel meiner Tochter Nadine sofort ein Artikel auf. Er trug den Titel "Gastfamilien gesucht". Es war noch ein Foto voneinem südamerikanischen Jungen abgedruckt. Völlig fasziniert las meine Tochter diesen Artikel. Ich räumte gerade den Tisch ab und trug das Geschirr in die Küche, als meine Tochter zu mir kam und mich fragte: "Wollen wir nicht einen Gaststudenten bei uns aufnehmen? Ich habe mir schon immer Geschwister gewünscht." In Gedanken versunken antwortete ich: "Okay, aber nur eine Studentin." Damit war das Thema für mich eigentlich erledigt und ich war mit meinen Gedanken bereits wieder beim Haushalt.
Für meine Tochter war der Zeitungsartikel jedenfalls nicht erledigt. Sie ging ins Wohnzimmer, nahm den Telefonhörer und wählte die Nummer, die in dem Artikel angegeben war. Am anderen Ende meldete sich eine ehrenamtliche Mitarbeiterin einer Jugendaustauschorganisation, welche die Anzeige in die Tageszeitung gesetzt hatte. Sie erzählte uns, dass die Organisation eine interkulturelle Vereinigung zum Austausch von Schülern auf der ganzen Welt ist. Meine Tochter sagte zu der Mitarbeiterin: "Wir haben den Artikel gelesen und Interesse an einer Austauschstudentin." Die junge Frau am Telefon schlug ein persönliches Treffen für den nächsten Tag bei uns zu Hause vor. Sie wollte uns genauer über die Austauschorganisation informieren und gleich Unterlagen einiger interessierter Austauschschüler mitbringen. Wir waren einverstanden und warteten voller Neugier auf den folgenden Nachmittag. ...

- 11. Kapitel -

Am nächsten Tag standen wir früh acht Uhr auf und frühstückten. Nadine war völlig aus dem Häuschen. Eine Stunde später stand pünktlich das Taxi vor der Tür und wartete auf uns. Jeder von uns hatte für alle Fälle die Reiseroute in der Tasche, ... . Der Taxifahrer nahm uns das Gepäck ab und verstaute es im Kofferraum. Er fragte uns, wohin es mit so viel Gepäck gehen sollte. "Zuerst zum Bahnhof und dann nach Südamerika", antworteten wir. "Da haben sie sich aber etwas vorgenommen", lachte er und wünschte uns einen schönen Urlaub....
 

Als die Bahn am Flughafen hielt, strömten die ganzen Leute in unterschiedliche Richtungen. Wir blieben erst einmal stehen und sahen uns um. Auf unserem Zettel stand, dass wir zum Terminal B mussten. Da wir noch nie vorher auf einem Flughafen waren, fragten wir einen älteren Herrn nach dem Weg. Er wollte gerade mit seinem Enkel zu McDonalds. Er sagte zu mir: "Ich bringe Sie hin. Wir haben den gleichen Weg. Passen Sie auf Ihr Gepäck auf, die klauen hier wie die Raben."


Die Mitarbeiterin der Airline sah zuerst das Ticket an und dann uns und fragte: "Sie möchten über Madrid und Argentinien nach Bolivien fliegen? Dann kennen Sie sich ja aus." Ich antwortete nur, dass wir noch nie vorher geflogen waren und auch nicht wissen, was auf uns zukommt und wir tun müssten. Die Dame fragte: "Mein Gott, hätten Sie nicht zum Üben eine kürzere Strecke nehmen können?" Daraufhin sagte ich nur: "Nein, das geht nicht. Unsere Freunde haben uns eingeladen und erwarten uns." ... Sie empfahl uns noch: "Bitte verstellen Sie sich und sprechen Sie kein Spanisch." Ich antwortete nur trocken: "Ich brauche mich nicht zu verstellen. Ich kann kein Spanisch." ...

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